
Der Fahrermangel im deutschen ÖPNV spitzt sich weiter zu. Während bundesweit tausende Stellen unbesetzt bleiben, wird in der öffentlichen Diskussion häufig ein Punkt diskutiert: die Hürde der hohen Deutschanforderungen für Busfahrerinnen und Busfahrer.
Doch unsere eigene Analyse von über 400 deutschen Busunternehmen zeigt ein anderes Bild:
Nur 8 % der untersuchten Unternehmen geben in ihren Stellenausschreibungen explizit „sehr gute Deutschkenntnisse“ als Voraussetzung an.
Dieser Wert überrascht viele – denn er widerspricht dem gängigen Eindruck, dass Sprache die größte Hürde bei der Beschäftigung internationaler Fachkräfte sei. Tatsächlich zeigt sich:
Die Branche ist weit offener, als oft angenommen – aber gleichzeitig unscharf, wenn es um konkrete Anforderungen geht.
Was Betriebe wirklich fordern – und was sie nicht fordern
Unsere Auswertung typischer Stellenanzeigen im deutschsprachigen Raum ergab:
Das heißt:
Sprachkenntnisse sind wichtig – aber längst nicht so streng definiert, wie viele denken.
Die Praxis zeigt zudem: Viele Unternehmen orientieren sich eher an ihrem Bauchgefühl oder ihrer bisherigen Erfahrung als an klaren Standards. Das bietet Chancen, führt aber auch zu Unsicherheiten bei Bewerbern und erschwert ein zielgerichtetes Recruiting.
Aus unserer Tätigkeit als ehemalige Busunternehmer und aus zahlreichen Gesprächen mit Fahrern, Disponenten und Verkehrsunternehmen wissen wir: Es sind keine akademischen Sprachfähigkeiten gefragt – sondern praxisnahe Kommunikation.
Konkret bedeutet das:
Für all das reicht in den allermeisten Fällen ein solide aufgebautes B1-Niveau aus. Ein C1-Niveau – wie es Behörden deutschlernenden Zuwanderern abverlangen – ist für die Tätigkeit als Busfahrer deutlich überdimensioniert.
Die Herausforderungen liegen selten im Willen oder im Können der Bewerber. Stattdessen beobachten wir regelmäßig:
Dadurch entsteht ein Missverständnis:
"Internationale Fachkräfte sprechen nicht gut genug Deutsch."
In Wahrheit fehlen klare Erwartungen und praxisnahe Lernangebote.
Unsere Analyse macht deutlich:
Der Schlüssel liegt nicht im Perfektionismus, sondern in Klarheit, Orientierung und gezielter Unterstützung. Wenn die Branche die tatsächlichen Sprachanforderungen offener kommuniziert und Fachkräfte beim Einstieg begleitet, kann ein großer Teil des Fachkräftepotenzials schneller erschlossen werden – national wie international.